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Baufirmen-Pleiten 2026: Welche Firmen zusperren und warum

Mehr als 660 Bauinsolvenzen in neun Monaten: Die Pleitenquote am Bau ist fast doppelt so hoch wie im Schnitt. Zahlen, aktuelle Fälle und was Bauherren jetzt tun sollten.

Baukurier Redaktion · 2. November 2026

Verlassene Baustelle mit stillstehendem Bagger und unfertigem Betonrohbau in der DämmerungKI-Bild
KI-generiertes Symbolbild

Am Bau ist das Pleitenrisiko fast doppelt so hoch wie im Schnitt der Wirtschaft. Creditreform zählt für die ersten drei Quartale 2026 österreichweit 666 Insolvenzen im Bauwesen. Das sind 27,6 Fälle je 1.000 Unternehmen, der Durchschnitt aller Branchen liegt bei 13,9.

Die Zahlen

QuelleZeitraumBauVeränderung
Creditreform1. bis 3. Quartal 2026666 Fälleplus 2,8 %
KSV1870 (Hochrechnung)1. bis 3. Quartal 2026719 Fälleminus 0,3 %
Statistik Austria1. Quartal 2026308 Fälleplus 5,1 %

Die Werte stammen aus getrennten Statistiken und sind nicht direkt vergleichbar. Über alle Branchen meldet Creditreform 5.115 Firmeninsolvenzen in neun Monaten, also 27 Verfahren pro Werktag. Regional liegt Wien mit 22,8 Fällen je 1.000 Unternehmen vorne, vor Kärnten mit 13,8 und Niederösterreich mit 13,2.

Aktuelle Fälle und ihre Gründe

GD-50 Bau GmbH, Grödig (Salzburg). Die 1974 gegründete Firma, früher FBS-Bau, ist im Hoch- und Tiefbau, im Vollwärmeschutz und im Baustoffhandel tätig. Am Landesgericht Salzburg wurde auf eigenen Antrag ein Konkursverfahren eröffnet. Betroffen sind laut KSV1870 und AKV 28 Beschäftigte und mindestens 21 Gläubiger. Die letzte Bilanz wies rund 1,74 Millionen Euro an Passiva aus. Als Gründe nennen die Gläubigerschützer offene Forderungen von rund 720.000 Euro für erbrachte Bauleistungen, die großteils uneinbringlich sind, eine gezogene Bankgarantie, das Ausscheiden einer Führungskraft und den gesundheitlichen Ausfall der Geschäftsführung. Der Betrieb läuft vorerst weiter, der Insolvenzverwalter prüft die Fortführung.

VITO Baugesellschaft mbH, Parndorf (Burgenland). Im Jänner 2026 wurde am Landesgericht Eisenstadt ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet. Die Verbindlichkeiten liegen bei etwas mehr als einer Million Euro, betroffen sind 18 Dienstnehmer und 52 Gläubiger. Laut Creditreform liegen die Ursachen in Umsatzrückgängen, höheren Zinsen sowie gestiegenen Material-, Energie- und Lohnkosten. Ziel des Verfahrens ist der Erhalt des Unternehmens.

Was hinter der Welle steckt

Creditreform nennt hohen Kosten- und Margendruck und gedämpfte Nachfrage als Treiber: "Entwarnung wäre verfrüht." Auffällig ist der Anteil der Verfahren, die mangels Vermögen gar nicht eröffnet werden: Laut KSV1870 waren das über alle Branchen 2.204 Fälle, rund 43 Prozent. Gläubiger gehen dann meist leer aus. Der KSV1870 kritisiert zudem, dass viele Betriebe zu spät Insolvenz anmelden.

So schützen sich Bauherren

  • Firma prüfen: Vor dem Auftrag die Ediktsdatei der Justiz und das Firmenbuch ansehen.
  • Zahlung nach Baufortschritt: Teilrechnungen nur für erbrachte Leistung begleichen, hohe Vorauszahlungen vermeiden.
  • Sicherheiten vereinbaren: Haftrücklass oder Bankgarantie schriftlich festhalten.
  • Bei Insolvenz sofort handeln: Forderungen fristgerecht anmelden. Im Fall GD-50 Bau läuft die Frist bis 6. Jänner 2027.

Dieser Überblick ersetzt keine Rechtsberatung. Wer einen laufenden Bauvertrag hat, sollte sich an einen Anwalt oder Gläubigerschutzverband wenden. Weitere Meldungen finden Sie in der Rubrik Baufirma Insolvenz, die Lage der Branche in der Baukonjunktur-Analyse.

Häufige Fragen

Wie viele Baufirmen waren 2026 insolvent?

Creditreform zählt für die ersten neun Monate 666 Insolvenzen im Bauwesen, um 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Hochrechnung des KSV1870 kommt auf 719 Fälle im Baugewerbe.

Warum gehen so viele Baufirmen pleite?

Genannt werden hohe Kosten, schwache Nachfrage und dünne Margen. Im Einzelfall kommen uneinbringliche Forderungen, gezogene Bankgarantien und der Ausfall von Führungskräften dazu.

Heißt Insolvenz immer, dass die Firma zusperrt?

Nein. Ein Sanierungsverfahren soll das Unternehmen erhalten. Auch im Konkurs kann der Betrieb vorerst weiterlaufen, bis der Insolvenzverwalter über Fortführung oder Schließung entscheidet.

Quellen

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